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documenta III

Internationale Ausstellung
28. Juni bis 6. Oktober 1964
Museum Fridericianum, Orangerie, Alte Galerie, Staatliche Werkkunstschule

Foto: Arnold Bode; © documenta Archiv, Carl Ebert

Träger
documenta Gesellschaft mbH

Geschäftsführer
Theodor Ascher

Schirmherrschaft
Bundespräsident Heinrich Lübke

Ausstellungsleitung
Arnold Bode

Sekretariat
Alfred Nemeczek

Arbeitsausschuss Malerei und Skulptur
Arnold Bode, Gerhard Bott, Herbert Freiherr von Buttlar, Will Grohmann, Werner Haftmann, Alfred Hentzen, Erich Herzog, Kurt Martin, Werner Schmalenbach, Heinrich Stünke, Eduard Trier, Zoran Krzisnik, Giuseppe Marchiori, Jasia Reichardt, Peter Selz

Arbeitsausschuss Handzeichnungen
Werner Haftmann, Jan Heyligers, Wolf Stubbe, Heinrich Stünke, Eduard Trier

Arbeitsausschuss Industrial Design und Grafik
Jupp Ernst, Werner Doede, Hans Eckstein, Erich Herzog, Diedrich Mahlow, Willem Sandberg, Hubert Troost

Ausstellungsarchitektur
Arnold Bode
Mitarbeit: Rudolf Staege, Lorenz Dombois

Exponate
1.414

Künstler 
353

Besucher
200.000

Eintrittspreise
1 Tag: 4 DM, ermäßigt 1 DM
3 Tage: 10 DM
Dauerkarte: 20 DM
Gruppe: 2,50 DM/Person
Führung: 1 DM/Person

Budget
1.860.000 DM

Kataloge
Bd. 1: Malerei, Skulptur, M. DuMont Schauberg, Köln;
Bd. 2: Handzeichnungen, Hessische Druck- und Verlagsanstalt GmbH, Kassel;
Bd. 3: Industrial Design/Grafik, Verlag Friedrich Lometsch, Kassel
1. Bd. & 2. Bd.: 40,- DM

Der Glanz der Handzeichnungen - Ein Text von Dirk Schwarze über die documenta 3

Die documenta III mit vorsichtigen Blicken auf die Gegenwart

Arnold Bode liebte es, weit voraus zu blicken. So skizzierte er bereits im documenta-Jahr 1959, wie die Ausstellung vier Jahre später aussehen könnte. Nachdem er seinen Vorschlag, mit der II. documenta  ins wiederaufgebaute Schloss Wilhelmshöhe zu ziehen, fallen lassen musste, weil das Schloss immer noch Ruine war, strebte er nun mit aller Macht an, die documenta III 1963 in Wilhelmshöhe zu präsentieren. Doch erneut lief den Planern die Zeit davon. Und als im Frühjahr 1962 noch immer über die Ausbaupläne von Wilhelmshöhe nachgedacht wurde, war klar, dass die documenta III ebenfalls im Fridericianum ihren Stammsitz haben werde.

Aber es waren nicht nur die Raum- und Baufragen, die dazu führten, dass erstmals von einer Krise der documenta die Rede war. Auch inhaltlich kamen die Verantwortlichen nur mühsam voran. Zwar hatte Bode schon frühzeitig den Arbeitstitel "Meisterwerke aus den letzten 50 Jahren" verkündet, doch  selbst 13 Monate vor dem Starttermin lief die Ausstellungsmaschine noch nicht. Erst im Juli 1962 bekannten sich die Verantwortlichen zu dem zeitlichen Rückstand und beschlossen die erste Verschiebung der documenta – auf 1964.

Der erneute Rückgriff auf die Meisterwerke der ersten Jahrhunderthälfte wurde der documenta III von vielen Kritikern übel genommen. Noch größerer Widerspruch wurde gegenüber dem Auswahlprinzip laut, das Werner Haftmann mit der Formel Kunst sei das, "was bedeutende Künstler machen". Dies wurde als Flucht in die Subjektivität gedeutet.

Vielleicht wäre die documenta III untergegangen und wäre das Kapitel der großen internationalen Ausstellung in Kassel beendet worden, hätten nicht Werner Haftmann und Bode zusätzliche Abteilungen eingerichtet, die  auf Tendenzen der Gegenwart verwiesen. Zur tragenden Säule der documenta III wurde die Abteilung Handzeichnungen, die einen unvergleichlichen Blick auf dieses intime Medium der Kunst seit Cézanne ermöglichte. Die rund 500 Blätter aus 80 Jahren, die in der heutigen Neuen Galerie (damals Alte Galerie genannt) gezeigt wurden. Waren nicht bloß ein Reigen aus Meisterwerken, sondern sie führten auch den Wandel der Kunst auf dem Weg von Vincent van Gogh zu Joseph Beuys vor.

Nicht weniger wichtig für den Erfolg der Ausstellung war, dass mit den Abteilungen "Aspekte 1964" und "Licht und Bewegung" die im Grunde historisch angelegte Schau zur Gegenwart hin geöffnet wurde. Die Besucher lernten Künstler wie  Joseph Beuys, Peter Brüning und Konrad Klapheck als Vertreter der neuen Generation kennen; und obwohl die documenta III die Pop Art als Bewegung nicht berücksichtigt hatte, waren in der Ausstellung Pop-Künstler wie Jasper Johns, Allen Jones, Robert Rauschenberg und Larry Rivers vertreten. Als sensationell wurde die von Bode in Alleinverantwortung geschaffene Abteilung "Licht und Bewegung" empfunden. In ihr wurden die kinetische Kunst und die Op Art gespiegelt.

Die documenta sah Bode stets im Spannungsfeld zum Museum. Sein 1964 geprägter Begriff vom "Museum der 100 Tage", sollte den Experimentiergeist verdeutlichen. Beispielhaft führte er das in der Abteilung "Bild und Skulptur im Raum" vor, in der er von Malern wie Sam Francis, Emilio Vedova, Ernst Wilhelm Nay und Bernard Schultze solche Arbeiten zeigte, die direkt in den Raum hineinwirkten.

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Der Journalist, Kunstkritiker und renommierte documenta-Kenner Dirk Schwarze hat diesen Text 2014 dem documenta Archiv zur Verfügung gestellt. Vervielfältigungen und kommerzieller Gebrauch sind, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors erlaubt.

Veröffentlicht am:   25. 11. 2015