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docArt des Monats Februar 2017

H10.8.

In Kooperation mit dem documenta Archiv würdigt das Museum für Sepulkralkultur den 20.Todestag von Harry Kramer mit einer Ausstellung. Neben Harry Kramers Filmen werden drei Skulpturen aus dem Nachlass des Künstlers gezeigt. Eine davon ist die Drahtskulptur H 10.8., die er im Zuge seiner Werkphase der „automobilen Skulpturen“ 1964 schuf. Im Titel verewigte er seine Frau Helga Kramer mit ihrem Geburtsdatum 10.8. Kramers Drahtskulpturen markierten einen der Höhepunkte seiner künstlerischen Laufbahn. So wurden seine „automobilen Skulpturen“ von Harald Szeemann 1962 in der Städtischen Galerie Biel und auf der documenta 3 (1964) in der Ausstellungsabteilung „Licht und Bewegung“ neben der kinetischen Kunst von Jean Tinguely gezeigt. Mit diesen Arbeiten schuf Kramer Gebilde, die zugleich grafisch und plastisch sind, sich bewegen und stillstehen. Die Drahtgeflechte sind im Inneren mit einem System beweglicher Elemente versehen, die über Gummibänder verbunden sind. Wären diese Gummibänder noch intakt, ließe sich mit Hilfe von elektrischer Energie auch H 10.8. zum Leben erwecken. Dafür bedarf es allerdings zunächst einiger Restaurationsarbeiten. Vorzustellen ist der Mechanismus wie folgt: Im Inneren des Drahtgeflechts von H 10.8. treibt ein sichtbar angebrachter Elektromotor, der eigentliche für Waschmaschinen oder Grammophone bestimmt war, ein Rad an, das einen Schlägel im regelmäßigen Takt auf eine Metalldose fallen lässt. Zeitversetzt fällt ein zweiter Schlägel gegen eine Glocke und es erklingt ein heller Ton. Es entsteht ein endloser, mechanisierter Fluss aus Geräusch und Bewegung. Als ehemaliger Tänzer und Choreograph war Harry Kramer von Bewegung fasziniert und verlieh ihr in seinen Arbeiten immer wieder Ausdruck. So können bewegte Bilder der Drahtskulpturen auch heute noch in seinen Filmen, die zusammen mit dem Kameramann Wolfgang Ramsbott entstanden sind, erlebt werden. Sein Fokus auf Bewegung wird in folgendem Zitat deutlich:

„Die Zentren der Bewegung schieben, schleifen, drehen aneinander vorbei, Kreisen und steigen schräg gegeneinander hoch, gekoppelt ziehen sie Parallelen in den Raum oder sinken schwerbeweglich in die Tiefe.“ *

Der vom documenta Archiv betreute Nachlass von Harry Kramer befindet sich im Aschrotthaus in der Obersten Gasse. Dort richtete Helga Kramer 2006 zwei Räume ein, die Harry Kramers Arbeitsräumen im ehemaligen Wohnhaus der Kramers in Kassel entsprechen. Der Nachlass ist nach Vereinbarung zu besichtigen.

*Aus: Dokumentation zur Ausstellung „Automobile Skulpturen. Mechanisches Theater. Experimentelle Filme“ vom 1. Bis 31. Juli 1961 in Köln. Die Texte sind nach der Entstehungszeit außer Kürzungen unverändert. Da eine genaue Unterscheidung nicht möglich ist, wurde nicht angegeben, welcher Text im Einzelnen von Kramer oder Ramsbott stammt.

Text: Berlind Schneider

 

 

 

 

docArt des Monats Januar 2017

Der 23. Januar 1987 muss in Kassel ein sehr kalter Wintertag gewesen sein, der frostige Boden war vollständig mit einer Schneeschicht überzogen. Die, um diese Jahreszeit auch heute noch etwas verschlafen wirkende Orangerie, wurde jedoch in ihrer Stille unsanft durch Explosionen gestört: Der Schweizer Künstler Roman Signer (geb. 1938) hatte an diesem Tag für seine mit dem Titel „Action with Sheets of Paper“ geplante Abschlussaktion für die documenta 8 geprobt und auf Grund von Sprengungen mit Dynamit unzählige farbige Blätter durch die Luft flattern lassen. Begleitet wurde die Aktion von Dieter Schwerdtle, dessen fotografische Dokumentation der documenta Ausstellungen 5 bis 12 vom documenta Archiv im Jahr 2013 erworben werden konnte. Somit sind auch die präzisen Vorbereitungen, die Roman Signer traf, veranschaulicht und für die Nachwelt erhalten.

Die künstlerische Leitung der documenta 8 oblag dem deutschen Kunsthistoriker Manfred Schneckenburger (geb. 1938), der die Leitung ein zweites Mal übernommen hatte. Erstmals sollte während der 100 Tage Ausstellungsdauer der documenta ein umfangreiches Performance-Programm stattfinden, welches in Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Elisabeth Jappe (geb. 1934) entwickelt wurde, um dem Publikum die Gelegenheit zu bieten, sich einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Performance- und Aktionskunst zu verschaffen. In seiner schriftlichen Einladung schrieb Manfred Schneckenburger an Roman Signer: „Lieber Herr Signer, Ihre Arbeit gehört für mich seit langen zu den authentischen Vorstößen auf künstlerischen Neuland. (…) Deshalb würde ich mich über Ihre Teilnahme am Performanceprogramm der documenta 8 freuen und lade Sie herzlich ein. Das Wort „Performance“ brauchen Sie nicht zu eng nehmen – ich weiß, dass Ihre Arbeiten Skulpturen sind.“

Roman Signers Test-Sprengungen waren die Vorbereitungen zu einer künstlerischen Arbeit, die, wie Manfred Schneckenburger ganz zurecht befand, den Begriff der Performance gewiss nur sehr unzureichend beschreibt. Acht Monate später, am 20.09.1987, platzierte Roman Signer 350 Stapel mit je 1000 Blatt leerem –  diesmal weißen –  Papier im DIN A3 Format auf dem Rasen vor der Orangerie. Unter die Stapel wurden Sprengladungen angebracht, welche alle gleichzeitig gezündet wurden. 350 000 Blätter stiegen für einen kurzen Augenblick zu einer Skulptur in Form einer 15 Meter hohen Papierwand auf

Signer, Roman: "Action with Sheets of Paper", 1987, 10042066; © documenta Archiv / Gerhard Vaupel

 

Text: Antje Goebel

 

 

 

 

docArt des Monats Dezember 2017

Als die documenta das erste Mal Kassel verließ

Adam Szymczyk, künstlerischer Leiter der documenta 14, wird mit dem Startschuss zur Ausstellung am 8. April 2017 in Athen das erste Mal eine documenta im Ausland eröffnen. Das allererste Mal aber, dass ein documenta-Kunstwerk außerhalb Kassels gezeigt wurde, geschah im Jahr 1992 mit einer Arbeit des Bildhauers Ulrich Rückriem (geb. 1938), die in Essen, im Industriedenkmal Zeche Zollverein, während der gesamten Dauer der documenta 9 ausgestellt war. In einem speziell aus diesem Anlass von der documenta 9 herausgegebenen Faltblatt (Aktenarchiv, d9/Mappe 97b) heißt es: „Zum ersten Mal in ihrer über 37jährigen Geschichte greift die DOCUMENTA über Kassel hinaus. Auf der Zeche Zollverein (…) in der 1000 m² großen ehemaligen Zechenwerkstatt (…) zeigt Rückriem eine Installation von 23 Granitsteinarbeiten.“

Aus den Unterlagen im Aktenarchiv geht hervor, dass ursprünglich geplant war, Rückriems Beitrag zur documenta 9 auf dem östlichen Teil des Friedrichsplatzes in Kassel aufzustellen. Warum dieser Standort zugunsten der Halle in der Zeche Zollverein aufgegeben wurde, berichten die Akten nicht. Allerdings lassen sich aus Zeitungsausschnitten im Pressearchiv (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.08.1992, Neue Ruhr Zeitung, 21.03.1992) Rückschlüsse darüber ziehen.

Hier wird deutlich, dass Rückriem die Halle nach ihrer Restaurierung bereits im Jahr vor Eröffnung der documenta 9 von den Zeche Zollverein-Planern zur Ausgestaltung mit Kunst am Bau zur Verfügung gestellt bekam. Zieht man ein Schreiben von Jan Hoet, dem künstlerischen Leiter der documenta 9, an den Bildhauer vom 8. Februar 1992 hinzu (Aktenarchiv, d9/Mappe 97b), lässt sich der Entscheidungsprozess für den Außenstandort besser nachvollziehen. Hoet schreibt dort u.a.: „Lieber Ulrich Rückriem, wir danken Dir sehr für den Besuch dieser außergewöhnlichen Installation, an diesem wunderbaren, jedoch gleichzeitig bedrohlichen Ort, dem Industriebetrieb und Bergbau in Essen. Davon behalten wir eine gute Erinnerung und sind glücklich, Dir unser endgültiges Einverständnis bezüglich der Einschließung dieses Ortes in der Präsentation Deiner Arbeit bestätigen zu können (…).“

Rückriem hatte die Installation eigens für die Halle in der Zeche Zollverein konzipiert und sich mit ihrer abwechselnd rechteckigen und quadratischen Aufstellung unmittelbar auf die Besonderheiten der Industriearchitektur von 1932 bezogen. Das Konzept einer engen Verbindung zwischen Kunst und Architektur muss Jan Hoet bei seinem Besuch in Essen so überzeugt haben, dass er den schwierigen Spagat zwischen kuratorischer Verantwortung für den traditionellen documenta-Standort Kassel einerseits und Respekt vor der künstlerischen Freiheit andererseits wagte und mit seiner documenta das erste Mal die Stadt verließ.

Text: Martin Groh

 

 

 

 

docArt des Monats November 2016

Anstoß mit David 

So titelte die Kölnische Rundschau am 07.08.1997 anlässlich eines Fußballspiels, das zur Halbzeit der documenta X am 08.08.1997 auf der Hessenkampfbahn stattfand. Bei der "sportlichsten Kulturveranstaltung des Jahres 1997" kickte das Sport & Kulturbüro Dynamo Windrad (dy) gegen ein documenta Team (dx), jeweils angereichert durch Prominenz aus Politik und Kultur. So tummelten sich neben ehemaligen Profifußballer/innen (Volker Ippig, Birgitt Austermüller, Doreen Meier etc.) auch Politiker (Joschka Fischer, Bertram Hilgen, Gregor Gysi etc.) auf dem Spielfeld. Die genaue Aufstellung finden Sie hier.

Den Anstoß sollte die künstlerische Leitung der documenta X Catherine David gemeinsam mit Helge Schneider vollziehen, der im Kulturzelt an dem Abend einen Auftritt hatte. Dieser ließ sich jedoch nicht blicken, sodass David den Ball alleine ins Spiel brachte. Als Spielkommentatoren kamen documenta-Pressesprecherin Maribel Königer sowie hr-Moderator Philip Engel zum Einsatz. Nach dem Abpfiff stand es 3:1 für das Team um Dynamo Windrad. Das unterlegene documenta-Team wurde von der sockumenta X mit sockumenta X-Originalsocken getröstet.

Die sockumenta X wurde von dem Grafiker Wolfgang Fricke und dem Texter Hans-Joachim Maus gegründet, nachdem sich Catherine David im fernen Paris ein Jahr vor dem Start der d X über die Socken-Vitrinen in einer Kasseler Unterführung beschwert hatte. In Anlehnung an das documenta-Logo wurden Aufkleber mit einer durchgekreuzten Socke in der Stadt verteilt. Die sockumenta X hatte jede Menge Anhänger in Kassel, auch wenn sich die Französin für ihre Bemerkungen entschuldigte. Der derart zu Ehren gelangte Socken-Laden musste im Jahr 2005 schließen, als die Unterführung im Zuge des Streckenbaus für die Regiotram aufgegeben wurde.

Die Aktion zur Halbzeit der documenta X erinnert an das Fußballspiel der documenta 6 zwischen "Stavo Kickers" (Mannschaft der Kasseler Stadtverordnetenversammlung) und "Dynamo d6" (Künstler und Mitarbeiter der documenta 6) auch auf der Hessenkampfbahn hinter der Orangerie.

Sowohl 1977 als auch 1997 war Dieter Schwerdtle als Fotograf vor Ort. Dieter Schwerdtle (1952 - 2009) dokumentierte zu Lebzeiten das Kasseler Kulturleben wie kein zweiter. Im Jahre 2013 konnte das documenta Archiv seinen documenta bezogenen Fotonachlass erwerben, der derzeit erschlossen wird.

Text: Berlind Schneider

 

 

docArt des Monats Oktober 2016

Ausstellungskatalog "Junge Kunst aus Westdeutschland ´81" mit der dazugehörigen Flexi Disc von Palais Schaumburg

Vinyl-Raritäten im documenta Archiv

In den USA der 1960er Jahre hatte sich die Flexi Disc zu einem der beliebtesten, industriell gefertigten Marketingprodukte etabliert. So verkaufte beispielsweise das MAD Magazine diverse Ausgaben mit den kleinen Scheiben und in England verschickten die Beatles zu Weihnachten per Post ihre Songs auf Flexi Discs als ein besonderes Dankeschön an die Mitglieder ihres Fanclubs. Flexi Discs basieren auf einem ähnlichen Prinzip wie eine Vinyl-Schallplatte, sind aber um ein vielfaches dünner und leichter, weshalb sie sich besonders gut als Beilage in Magazinen eigneten. Die Herstellung basiert auf einem Druckverfahren, in dem ein gummibasierter Film auf einem Offsetkarton aufgebracht wird und im Anschluss von einem Abguss des Vinylmasters unter hohem Druck die Schallrillen (meist nur einseitig) eingeprägt werden. Heutzutage gehören die Flexi Discs zu einer fast in Vergessenheit geratenen Tonträgertradition und sie werden nur noch selten in kleinen Auflagen veröffentlicht, überwiegend in Fanzines, in Magazinen also, die von Fans für Fans gemacht werden.

Zum Bestand des documenta Archivs gehört - neben dem Aktenmaterial, dem digitalen und analogen Bildmaterial, den Audio-, Film,- und Videotiteln - auch eine Sammlung mit insgesamt 130 Schallplatten-Titeln und 146 Musikcassetten. Es sind zum Teil rare Aufnahmen auf Langspielplatten von documenta-Künstler_innen wie Laurie Anderson, John Cage, Marcel Duchamp, Hermann Nitsch, Nam June Paik oder Charlemagne Palastine und darunter auch ein einziger Tonträger im Flexi Disc-Format. Diese Flexi Disc ist eine Single von der deutschen Band Palais Schaumburg und trägt den Titel „Grünes Winkelkanu“, ein Song, der 1981 auch auf dem gleichnamigen Debüt-Album „Palais Schaumburg“ veröffentlicht wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=pUvqNLtGMqc

Das Lied erschien in der nur zwei Jahre währenden Existenz der Band nie offiziell als Single, aber als Beilage des Ausstellungskatalogs zu der von der Galerie Max Hetzler 1981 in Stuttgart initiierten Gruppenausstellung „Junge Kunst aus Westdeutschland ´81“. Der Katalog mit der dazugehörigen Flexi Disc befand sich in den älteren, noch nicht erfassten Beständen der Bibliothek des documenta Archivs und konnte 2013 im Zuge des von der DFG geförderten Re-Katalogierungsprojekts nachträglich katalogisiert werden.

Text: Antje Goebel

docArt des Monats September 2016

Programmhefte zu Kunstfilmen der 50er und 60er Jahre

 Bergman, Keaton, Clair, Antonioni, Fellini, Pasolini und Godard

…unzählige weitere Namen könnten nun aufgeführt werden, die längst unsterblich wurden und aus der frühen Filmgeschichte kaum mehr wegzudenken sind. Nicht zuletzt wurde das Interesse auf Werke jener Filmschaffenden durch Plakate geweckt, die unter anderem der Filmverleih „Neue Filmkunst Walter Kirchner“ beauftragte. Kirchner, der zuvor den studentischen Filmclub der Universität Göttingen leitete, vermarktete ab 1953 ebendort speziell den Kunstfilm und avancierte neben dem Duisburger Atlas-Verleih zum wichtigsten Vertreter jenes Genres.

Unter Professor Hans Leistikow starteten an der Kasseler Werkkunstschule Ausschreibungen für die Plakatentwürfe, die oftmals Hans Hillmann für sich entschied, auch weil er für jeden Auftrag gleich mehrere Ideen entwickelte. Später folgten ihm Isolde Baumgart, Wolfgang Schmidt, Karl Oskar Blase, Jan Lenica oder Gunter Rambow, die gemeinsam als „Kasseler Schule“ Kunstgeschichte schrieben und die regionale Kulturlandschaft prägten. Gerne verweisen wir an dieser Stelle auf die im November anlaufende Sonderausstellung „Plakat Kunst Kassel“, die in der Neuen Galerie bis Anfang März 2017 zu sehen sein wird.

Was Vielen nicht mehr bekannt sein dürfte ist: zu den einzelnen Filmen wurden Programmhefte vertrieben, die u.a. variierte Entwürfe der Plakate zeigen und mit weiteren Texten auf den Film Bezug nehmen. Nicht immer wurde dies von der Filmkritik besonders positiv aufgenommen, wie Hillmann es in einem Interview formuliert: http://revolver-film.blogspot.de/2014/05/hans-hillmann-1925-2014.html .

Die Programmhefte geben Einblick in den kreativen Arbeitsprozess der Gestaltung und sind deshalb kunstwissenschaftlich besonders aufschlussreich. Hillmann arbeitet oft kleinformatig im Postkartenformat und achtete dabei auf große Vielfältigkeit. So brachte er dem Produktionsleiter Werner Schwier stets mehrere Ausführungen und Ideen zur Auswahl mit, in denen er wechselnde Perspektiven und vielschichtige Ebenen miteinander verband.

1964 wurden insgesamt zwölf Arbeiten Hillmanns auf der documenta 3 ausgestellt, die in der Abteilung Graphik zu sehen waren. Der Nachlass stammt aus seinem Frankfurter Atelier und gelangte im Jahr 2014 in das documenta Archiv nach Kassel, wo Hillmann sich zwanzig Jahre als Professor an der Kunsthochschule verdient gemacht hatte. Neben 98 Plakaten sind es unzählige Bleistiftskizzen und Entwürfe, die Hillmann zu verschiedenen Themen teils in langjähriger Arbeit anlegte.

Aus dem Nachlass Hillmanns wurden 86 Programmhefte und 18 Pressehefte des Göttinger Filmverleihs und 38 Hefte des Duisburger Atlasverleihs überliefert.

Text: Isabel Beck-Mast

docArt des Monats August 2016

Annemarie Burckhardt "Katalog documenta IX"

 

Ein falscher Katalog für die documenta IX

Schon im Oktober 1990, also weit vor der Eröffnung der documenta IX im Juni 1992, lag ein erster Katalog vor. Die Schweizer Künstlerin Annemarie Burckhardt (1930-2012) hatte ihn entworfen und bot ihn für 45,90 Mark zum Verkauf an, allerdings in einer sehr geringen Auflage von 20 Exemplaren. Wie zu vermuten, handelte es sich nicht um einen gewöhnlichen Katalog: Burckhardt hatte ein Schaumstoffkissen mit einem Leinenstoff ummantelt und mit der Aufschrift „Katalog documenta IX“ bestickt. Ihr war aufgefallen, dass konventionelle Kunstkataloge immer dicker und schwerer würden, man sie nicht mehr tragen könne und sie nach ihrer Anschaffung gewöhnlich unter dem Rückfenster im Auto landen würden, um gut sichtbar zu sein. Ein Kissen in Form eines Kataloges, das bei ermüdender Rückfahrt unter die Schläfe oder ins Kreuz gesteckt werden könne, wäre zweckgerichteter. Denn es sei dick und weich, trage aber dennoch gut lesbar den Titel. 

Annemarie Burckhardt war 1973 mit ihrem Mann, dem Soziologen Lucius Burckhardt (1925-2003), nach Kassel gekommen, der an der dortigen Gesamthochschule lehrte. Gemeinsam hatten sie in den 1980er Jahren die Promenadologie - auch Spaziergangswissenschaft - entwickelt, eine kulturwissenschaftliche und ästhetische Methode, die darauf zielte, die Bedingungen der Umweltwahrnehmung bewusst zu machen und sie zu erweitern.

Mit dem „falschen Katalog für die documenta IX“ hatte die Künstlerin, die sich bereits mehrfach mit Buchkunst hervorgetan hatte, ein Projekt in Gang gesetzt, von dem sie erhoffte, dass es mit Humor genommen würde. Denn Humor hatte sie bereits im Vorfeld bei Jan Hoet festgestellt. Doch es kam anders. Die documenta GmbH reagierte pikiert, sprach von missbräuchlicher Verwendung des documenta-Namens und -Logos und wollte am Erlös aus dem Verkauf beteiligt werden. Die Presse stürzte sich auf den Fall und der Skandal war perfekt.

Der Galerist und Verleger Martin Schmitz (geb. 1956) publizierte 1991 den ganzen Fall, indem er ein Büchlein von 64 Seiten herausgab, das minutiös alle Meldungen zu dieser Kunstaktion enthält. Seine Homepage erläutert zudem das Projekt: http://www.martin-schmitz-verlag.de/Annemarie_Burckhardt/Bio.html.

Das documenta Archiv verwahrt in der Mappe 140 zur documenta 9 nicht nur das „Bastelset“ mit Schaumstoffkissen, Leinenstoff und Stickgarn samt Anleitung, sondern auch eine Postkarte, die das Multiple von Annemarie Burckhardt abbildet, zwei Presseartikel sowie das Buch aus dem Verlag Martin Schmitz.

Text: Birgit Jooss

 

 

Archivalien des Monats Oktober 2015

; © documenta Archiv/Gerd Mörsch;South as a State of Mind
Die ersten 5 Ausgaben des Magazins South as a State of Mind sind eingetroffen und werden nun in die Bestände des documenta Archivs integriert. Denn die 6. Ausgabe wird die erste documenta 14-Ausgabe von South as a State of Mind sein und erschient Ende Oktober.

Wichtige Neuzugänge in der Bibliothek des documenta Archivs: South as a State of Mind wurde 2012 von Marina Fokidis gegründet und wird beginnend mit der 6. Ausgabe temporär die Funktion als offizielles  Magazin der documenta 14 übernehmen. Hier folgen einige Zeilen aus der Pressemitteilung:

Unseren Platz in der Welt bestimmen wir oft anhand aufgeladener Richtungsangaben wie Nord–Süd oder Ost–West – oder andere tun dies für uns. Man könnte auch sagen, dass die Bewegung in diese Richtungen essentiell ist. Was bedeutet es also, wenn die documenta – eine fest im globalen Norden verwurzelte deutsche Institution, die als Ausstellung der "westeuropäischen Kunst" gewidmet war, als sie 1955 in der Stadt Kassel, die im geteilten Deutschland an der Grenze zwischen West und Ost lag, entstand und untrennbar mit ihr verbunden blieb – im Jahr 2015 ein Magazin mit dem Titel South publiziert? Und was bedeutet es darüber hinaus für die documenta 14, wenn sie Gast eines bereits existierenden Athener Magazins namens South as a State of Mind wird?

Dies sind einige der Fragen, die wir uns in den vergangenen Monaten bei der Arbeit an unserer ersten Ausgabe von South in Athen gestellt haben. In seiner neuen, temporären Funktion als Magazin der documenta 14 erscheint South as a State of Mind erstmals Ende Oktober 2015, anderthalb Jahre vor den geplanten Eröffnungen der Ausstellung in Athen am 8. April 2017 und, zwei Monate später, am 10. Juni 2017 in Kassel.

Dem Konzept der documenta 14 folgend, eine Ausstellung an zwei Orten zu realisieren und im Zuge dessen mit bereits existierenden Institutionen und Initiativen zu arbeiten – und damit den exklusiven Status des Gastgebers zugunsten einer radikal rezeptiven Rolle aufzugeben –, werden wir in die Seiten von South as a State of Mind von Marina Fokidis aufgenommen, die das Magazin 2012 in Athen gegründet hat. Als Herausgeber von insgesamt vier Ausgaben für die documenta 14, die von nun an halbjährlich bis zur Eröffnung der Ausstellung im Jahr 2017 erscheinen werden, sind wir Gäste. In dieser Situation des Noch-nicht-Wissens und der Rezeption begreifen wir das South der documenta 14 – sowohl das Magazin als auch die durch den Titel evozierten gedanklichen Räume – als einen Ort der Recherche, der Kritik, der Kunst und Literatur, der parallel zur Vorbereitung der Ausstellung entsteht und uns dabei helfen soll, Anliegen und Ziele zu definieren und zu formulieren. Das Schreiben und Publizieren, in all seinen Formen, wird ein integraler Bestandteil der documenta 14 sein, und für uns ist dieses Magazin ein Vorbote dieses Prozesses.

(...)

South as a State of Mind #6 [documenta 14 #1]
Herausgegeben von Quinn Latimer und Adam Szymczyk
230 x 300 mm, 262 S., zahlreiche Farb- und Schwarzweiß-Abb., in englischer Sprache
10,– EUR
Erscheinungsdatum: 31. Oktober 2015
ISSN 2241-3901
ISBN 978-3-86335-844-0
Gestaltung: Mevis & van Deursen, Amsterdam

Die Fortsetzung der Pressemeldung können Sie hier finden

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats September 2015

; © documenta Archiv
Der Künstler Bertram Weigel konnte sein Werk - das hier auf dem KUNSTFORUM-Cover abgebildete Rad - im Kontext der Szeemannschen documenta 5 prominent vor dem Fridericianum positionieren. Dank des Zeitzeugenprojektes Meine documenta hat das Archiv nun den Nachlass des documenta 5-Künstlers Bertram Weigel, der 1976 bereits verstarb, erhalten. Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Christa Petzinger.

; © documenta Archiv
Bisher nicht identifizierte Aufnahmen aus dem Kontext der Produktion der Arbeit RAD von Bertram Weigel (2.v.l.) aus dem Nachlass. Im Laufe des Jahres 2016 werden die Archivalien (Kunstwerke, Fotografien und Dokumente) aus dem Nachlass Weigel sukzessive inventarisiert und digitalisiert und somit der Forschung zur Verfügung gestellt.

; © documenta Archiv
Hier eine Gesamtansicht von Bertram Weigels überlebensgroßer, RAD genannter Plastik, die gemeinsam mit vielen anderen Werken vor dem Fridericianum im Sommer 1972 ausgestellt war.

; © documenta Archiv
Hier sehen wir die Rückseite der oben eingestellten Fotografie. Bei der Fotografie scheint es sich - dem Text zufolge - um einen Teil einer Presse- oder Werbemappe für Bertram Weigels Werk zu handeln.

Gerd Mörsch 


Archivalien des Monats August 2015

; © documenta Archiv
Anfang August hat das documenta Archiv dank des Zeitzeugenprojektes Meine documenta eine umfangreiche Schenkung erhalten, die den Nachlass des documenta-Künstlers und Kasseler Hochschullehrers Harry Kramer bedeutend erweitert: Eine Sammlung von Fotos, Artikeln, Publikationen, Postern etc. und Kunstwerken aus dem Kontext der Arbeit der Klasse von Harry Kramer wurde dem documenta Archiv, das den Nachlass von Harry Kramer beherbergt übergeben. Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Renate und Harald Tacke.

; © documenta Archiv
Aus Pappmaschee geschaffene Automaten, die bei Geldeinwurf Aktionen vollzogen, wurden unter anderem in der Kramer-Klasse produziert. Zahlreiche Fotografien dokumentieren das Schaffen der Studierenden und von Kramer selbst.

; © documenta Archiv
Ein Karton voller seltener Fotografien, welche es erlauben, die Produktion und Atmosphäre im Kramer-Studio zu veranschaulichen, zählt zu den jüngsten Schätzen der Schenkung für den Harry Kramer Nachlass.

; © documenta Archiv
Das helle, vasenartige Objekt ist eine interessante Parallele zu Jasper Johns' Werk 'Cups 4 Picasso' von 1972 (Lithographie, 56,5 X 81,9 cm, The Museum of Modern Art, New York), denn bei der Vasenform handelt es sich um das Profil von Harry Kramer.

Gerd Mörsch 


Archivale des Monats Juli 2015

; © documenta Archiv
Ein interessanter Fund in der Wunderkammer documenta Archiv, eine Fliese oder Kachel mit dem Logo der documenta 6. Aus welchem Kontext dieses ungewöhnliche Werbematerial stammt, ist bisher nicht bekannt.

Gerd Mörsch 


Archivale des Monats Juni 2015

; © documenta Archiv; Unbekannter Fotograf
Dank der großzügigen Schenkung von Hannelore Pohlenz-Boehlke an das documenta Archiv befinden sich nun auch zwei Ausstellungskataloge aus der Zeit des Nationalsozialismus in den Beständen der Bibliothek. Sie sind nur ein kleiner Teil einer umfangreichen Sammlung an Grauer Literatur. Höhepunkte der Schenkung sind Kataloge, welche die kaum dokumentierte Ausstellungskultur in der frühen Nachkriegszeit in Deutschland dokumentieren. Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Hannelore Pohlenz-Boehlke.

Gerd Mörsch 


Archivale des Monats Mai 2015

; © documenta Archiv; Unbekannter Fotograf
Ein Mitarbeiterin des Archivs hat dieses historische T-Shirt zur Archivale des Monats Mai 2015 gekürt. Uns erscheint vor allem interessant, dass dieses offizielle documenta-5-T-Shirt nicht das Ameisenmotiv von Ed Ruscha verwendet, warum eigentlich? Vielleicht findet sich in den Akten zur documenta 5 ja eine spannende Kunst-Geschichte als Antwort zu dieser Frage.

Gerd Mörsch 


Archivale des Monats April 2015

; © documenta Archiv; Unbekannter Fotograf

Hier sehen wir Henner-Urff-Quartett, 1956 ein Auftritt im legendären im Hotel Hessenland. Das Hotel wurde im Kontext der documenta 13 wiederentdeckt versprüht noch heute dank – teilweise erhaltener Inneneinrichtung – den Charme der Nachkriegszeit in Kassel.

Das Foto des unbekannten Fotografen wurde uns im Rahmen des Zeitzeugenprojektes Meine documenta zur Verfügung gestellt. Wir sehen Henner Urff am Vibraphon, Rudolf Gilly am Klavier, Zeitzeuge Erwin Schaub am Bass und Günter Schaak am Schlagzeug.

Hier einige erläuternde Worte von Erwin Schaub:

‚Swingender Jazz war unsere Passion. In gleicher Besetzung hatten wir 1955 bei der Eröffnungsveranstaltung der "documenta1" unseren Auftritt.(…) Arnold Bode, der Visionär, mit dem wir aufgrund verschiedener Engagements bei sog. Atelierfesten gut bekannt waren, wollte im enttrümmerten Fridericianum sphärischen Jazz hören. Er und das "erlauchte" Vernissagen-Publikum bekamen diesen von uns geboten und alle waren sehr glücklich.

Es wäre kühn zu behaupten, wir hätten für Kassel frühzeitig den Free Jazz der 60er Jahre entdeckt. Dennoch unsere Improvisationen waren schon sehr frei und gewagt. Wie die meisten Einheimischen, haben wir/ich dieses Ereignis "documenta" selbstverständlich für eine grossartige Angelegenheit für Kassel und die ganze Region gehalten. Das gilt bis heute.

Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Erwin Schaub.

Gerd Mörsch


Archivalien des Monats März 2015

; © documenta Archiv; Monika Nikolic
Der letzte Abend der documenta 8 im Auepark bzw. auf der Wiese vor der Orangerie. Diese wunderbare Aufnahme verdankt das documenta Archiv der Fotografin Monika Nikolic, deren bedeutende documenta-Foto-Dokumentationen das Archiv 2014 für seine Bestände erwerben konnte. Das besondere an diesem neuen Fotokonvolut ist nicht nur sein Umfang (documenta 7,8,9,10,12 und 13) und seine Qualität, sondern auch die Tatsache, dass die Fotografin selbst die Digitalisierung der Fotos leistete. Denn nur somit kann die künstlerische Qualität der digitalisierten Aufnahmen gewährleistet werden.

; © documenta Archiv; Monika Nikolic
Hier sehen wir einen Screenshot des Digitalisierungsprozesses von Aufnahmen aus dem Kontext der documenta 8: Richard Serras teils heftig umstrittene Intervention in der Kasseler Innenstadt. Wir sagen an dieser Stelle: Herzlichen Dank, liebe Frau Nikolic, für diese unermesslichen Schätze, die Sie dem documenta Archiv und damit der Forschung der Zukunft zur Verfügung stellen! Ein erster umfassender Überblick auf das Werk von Monika Nikolic wird in der kommenden Museumsnacht im documenta Archiv geboten.

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats Februar 2015


Diese herrlichen Aufnahmen von Arnold Bode verdanken wir Floris M. Neusüss. Sie stammen aus den frühen 1970er Jahren und werden bei der Übergabe der Negative exakter datiert. Oben und in der Mitte sehen wir Arnold Bode im Restaurant nahe der Neuen Galerie. Es ist ein noch heute beliebter Ort, weil der Blick von hier aus über die Aue schweifen kann. Ganz unten dann Bode vor der Baustelle Orangerie. Unser herzlicher Dank gilt an dieser Stelle Floris M. Neusüss, in dessen Vorlass diese Aufnahmen integriert werden. Die Aufarbeitung des im documenta Archiv befindlichen Neusüss-Vorlass schreitet voran.

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats Januar 2015


Hier sehen wir einen Ausschnitt einer signierten Ausgabe der Uecker Zeitung Nr. 10 1983 (Ausgabe Goslar). Zusehen ist die Marktkirche St. Cosmas und Damian, deren Nordturm in seiner heutigen Gestalt wurde 1593 nach einem Brand (1589) mit einer offenen Laterne versehen wurde, welche die Türmerstube beherbergt. Warum Uecker die Nordturm für die Collage auf der Titelseite dieser Zeitung mit einer seiner Nagelplastiken ersetzte, bleibt zu erforschen. Aber die Frage, warum wir diesen Schatz hier so prominent, zumindest als Ausschnitt zeigen, beantworten wir gerne sofort: Diese Künstlerzeitschrift von Uecker ist nur ein kleiner Teil einer umfangreichen Schenkung, die uns der Kunstkritiker und -journalist Dirk Schwarze schenkte. Schwarze hat - wie Timm Ulrichs im Kontext seines Vortrages an der Kunsthochschule Kassel - die Absicht, seine umfangreiche Sammlung von Einladungskarten dem documenta Archiv zu übergeben. Diese beiden Konvolute von tausenden Einladungen zu Kunstereignissen der letzten Jahrzehnte sind ein unermesslicher Schatz für die Kunstwissenschaft - daher sagen wir an dieser Stelle herzlich Danke, lieber Herr Schwarze!


Passend zum oben eingeleiteten Thema hier ein weiterer Schatz aus dem 'Vorlass' Dirk Schwarze. Es handelt sich um einen Artikel aus dem Magazin Journalist-11-1996, ein Portrait über den damaligen Kulturchef der HNA.

Gerd Mörsch

Archivale des Monats Dezember 2014

Das documenta Archiv hat den Hessischen Archivpreis 2014 für seine ''vorbildliche Dokumentation der Ausstellungen'' erhalten. Das Bild ist eine Kopie der Urkunde. Der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein begründet die Wahl des Kasseler Archives wie folgt: "Das documenta Archiv Kassel überzeugte die Jury durch seine gezielte inhaltliche Ausrichtung auf alle im Zusammenhang mit den documenta-Ausstellungen stehenden Dokumenten und Publikationen. Ich kann mich der Juryentscheidung nur anschließen, die hier geleistete Arbeit ist vorbildlich. Herzlichen Glückwunsch an alle Verantwortlichen in Kassel zum Archivpreis 2014." Wir danken allen Unterstützern, Kunden und Freunden des documenta Archivs und bedanken uns mit einer herzlichen Einladung an all jene, denen die Schätze des Archives noch nicht bekannt sind: Kostenlose Führungen gibt es jeden Mittwoch, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung.; © documenta Archiv
Das documenta Archiv hat den Hessischen Archivpreis 2014 für seine ''vorbildliche Dokumentation der Ausstellungen'' erhalten. Das Bild ist eine Kopie der Urkunde. Der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein begründet die Wahl des Kasseler Archives wie folgt: "Das documenta Archiv Kassel überzeugte die Jury durch seine gezielte inhaltliche Ausrichtung auf alle im Zusammenhang mit den documenta-Ausstellungen stehenden Dokumenten und Publikationen. Ich kann mich der Juryentscheidung nur anschließen, die hier geleistete Arbeit ist vorbildlich. Herzlichen Glückwunsch an alle Verantwortlichen in Kassel zum Archivpreis 2014." Wir danken allen Unterstützern, Kunden und Freunden des documenta Archivs und bedanken uns mit einer herzlichen Einladung an all jene, denen die Schätze des Archives noch nicht bekannt sind. Die kostenlosen Führungen durch das documenta Archiv finden immer mittwochs um 18 Uhr nach vorheriger Anmeldung unter 0561 787 4022 oder documentaarchiv@kassel.de statt. Wir freuen uns Ihren Besuch!

Gerd Mörsch

Archivale des Monats November 2014

; © documenta Archiv, Nachlass Harry Kramer
Das Foto zeigt ein Kunstwerk im Garten der Harry Kramer-Residenz an der Loire, entstanden ist es wahrscheinlich im Studentenrevolutionsjahr 1968. Der Künstler lebte und arbeitete in der von ihm selbst mühsam restaurierten Mühle nahe der Loire in den 1960er Jahren. Das Bild ist eine Kopie einer Karteikarte von Harry Kramer selbst, mit solchen Karten dokumentierte der Künstler sein Schaffen und auch den Verbleib - Verkauf - der Werke. Diese Karteikarte war ein wichtiges Indiz für den Ankauf der Harry Kramer-Plastik durch das documenta Archiv im Jahre 2013, denn es legte nahe, dass es sich bei dem über den Kunsthandel angebotenen Objekt höchstwahrscheinlich um einen echten Harry Kramer handelte. Daher gilt unser herzlicher Dank an dieser Stelle Frau Felicitas Noeske, die uns eine Kopie der Karteikarte zur Verfügung stellte.

Gerd Mörsch

Archivale des Monats Oktober 2014

; © documenta Archiv, Malte
Dieses schöne und erstaunlich präzise Bild eines der Räume des documenta Archivs hat der 8jährige Malte nach einer Führung durch das Archiv gemalt. Daher an dieser Stelle erneut: Herzlich Danke Malte. Apropos: Die kostenlosen Führungen durch das documenta Archiv finden immer mittwochs um 18 Uhr nach vorheriger Anmeldung unter 0561 787 4022 oder documentaarchiv@kassel.de statt. Bitte melden Sie sich rechtzeitig an, da wir aufgrund der Raumkapazitäten nur Gruppen von max. 15 Personen führen können. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Gerd Mörsch

Archivale des Monats September 2014

; © documenta Archiv
Eine beim Umzug nach Kassel entdeckte, verworfene oder nicht fertig gestellte Arbeit von Hans Hillmann. Der Nachlass des international gefeierten Künstlers und Kasseler Hochschulprofessors Hans Hillmann wurde dem documenta Archiv im September 2014 übergeben. Unser herzlicher Dank gilt Frau Marlies Rosa Hillmann.

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats August 2014

Das Bild zeigt neue Schätze aus dem Harry Kramer Nachlass: Einen Kramer-Katalog, produziert im Kontext von Projekten an der Kunsthochschule Kassel und Fell-Stiefel des Künstlers, die er auf einem berühmten Stephan Preusse Foto-Portrait trug, dass Mitte der 1990er Jahre im Kasseler Kunstverein ausgestellt wurde. Die Stiefel wurden dem Archiv pünktlich zur Museumsnacht gestiftet.; © documenta Archiv, Ryszard Kasiewicz
Neue Schätze aus dem Harry Kramer Nachlass: Hier sehen wir einen Kramer-Katalog, produziert im Kontext von Projekten an der Kunsthochschule Kassel. Links sehen wir die Ende August, pünktlich zur Museumsnacht dem documenta Archiv übergebenen Fell-Stiefel des Künstlers. Jene trug Kramer auf einem bekannten Foto-Portrait von Stephan Preusse, das Mitte der 1990er Jahre im Kasseler Kunstverein ausgestellt wurde. Der herzliche Dank für diese wunderbaren Geschenke an das documenta Archiv gilt dem Auktionshaus Van Ham und Frau Hannelore Pohlenz-Boehlke.

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats Juli 2014

; © documenta Archiv, Evelyn Lehman
Diese Bilder verdanken wir der Kunstpädagogin und Meine documenta Zeitzeugin Evelyn Lehman. Sie organisierte als Museumspädagogin viele Male das Kinderprogramm zur documenta. Auch gab sie von der d6 bis zur d11 die Publikation „Kinderdocumenta“ heraus, die im documenta Archiv eingesehen werden können. Abbildungen von oben links im Uhrzeigersinn: Zu sehen ist die Kindermalwerkstatt auf der d7. Zu der „documenta der wilden Malerei“ von Rudi Fuchs sagt Evelyn Lehmann: „Da fühlten wir uns natürlich animiert mit den Kindern wild zu malen.“ So richteten sie sich in der Cafeteria der Neuen Galerie ein und beklebten diese vom Boden bis zur Decke mit den Arbeiten der Kinder. Bei der d9 von Jan Hoet fanden wieder Kinderworkshops statt. Kinder malten Schwäne oder Himmelsstürmer und bauten, inspiriert von Mo Edogas Arbeit auf dem Friedrichsplatz, ihren eigenen Signalturm der Hoffnung. „Uns war aufgefallen, dass ganz viele Arbeiten auf der d11 irgendwie mit Glühbirnen zu tun hatte.“ Sagt Evelyn Lehmann über die documenta von Okwui Enwezor. Am präsentesten waren sie wahrscheinlich in der Fotografie „Invisible Man“ von Jeff Wall. So bastelten die Kinder ihre eigenen Glühbirneninstallationen. Catherine David in jungen Jahren? Nein! Eine nachgestellte Pressekonferenz der Kinderdocumenta, bei der sich ein Mädchen in die Ausstellungsleiterin verwandelt hatte – mit Perücke und rotem Lippenstift. Zusammen mit dem Kasseler Künstler Peter van Houy beantwortet sie fragen zur documenta.

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats Juni 2014

Das Bild zeigt Screenshots von abgetippten Dialogen aus dem Jahr 2013. Die Stadtbibliothek Kassel war Teil der documenta 13: Der norwegische Künstler Matias Faldbakken schuf mit Büchern in zwei Filialen der Stadtbibliothek Kassel irritierende Installationen. Es schien, als habe ein Erdbeben die Bücher aus den Regalen geschüttelt. Dementsprechend haben sich zahlreiche unwissende Nutzer der Bibliothek an die Mitarbeiter der Bibliothek gewendet. Diese Dialoge wurden zum Teil dokumentiert und Gästebücher gaben den Kunstfreunden und Bibliotheksnutzern die Möglichkeit, die Arbeit des Künstlers zu kommentieren. Die beiden hier als Archivalien des Monats Juni 2014 eingefügten Bilder sind Ausschnitte aus der elektronischen Dokumentation der Publikumsreaktionen. Die Gästebücher wurden dem documenta Archiv wie zahlreiche Fotos von der Stadtbibliothek Kassel im Juni 2014 übergeben. Daher auch an dieser Stelle: Herzlicher Dank an die Kollegen der Stadtbibliothek Kassel!
Die Stadtbibliothek Kassel war Teil der documenta 13: Der norwegische Künstler Matias Faldbakken schuf mit Büchern in zwei Filialen der Stadtbibliothek Kassel irritierende Installationen. Es schien, als habe ein Erdbeben die Bücher aus den Regalen geschüttelt. Dementsprechend haben sich zahlreiche unwissende Nutzer der Bibliothek an die Mitarbeiter der Bibliothek gewendet. Diese Dialoge wurden zum Teil dokumentiert und Gästebücher gaben den Kunstfreunden und Bibliotheksnutzern die Möglichkeit, die Arbeit des Künstlers zu kommentieren. Die beiden hier als Archivalien des Monats Juni 2014 eingefügten Bilder sind Ausschnitte aus der elektronischen Dokumentation der Publikumsreaktionen. Die Gästebücher wurden dem documenta Archiv wie zahlreiche Fotos von der Stadtbibliothek Kassel im Juni 2014 übergeben. Daher auch an dieser Stelle: Herzlicher Dank an die Kollegen der Stadtbibliothek Kassel!

Gerd Mörsch

Archivalien des Monats Mai 2014

Das Bild zeigt ein privates Fotoalbum. Es sind Seiten, die die Entstehung des Erdkilometers von Walter De Maria dokumentieren und kommentieren.; © documenta Archiv; Susanne Waschkowitz
Ein Auszug aus einem Kasseler Fotoalbum mit Bildern aus dem Jahre 1977. Wie in einem Bilderbuch für das nun Fahrt aufnehmende Zeitzeugenprojekt Meine documenta des documenta Archivs haben die Zeitzeugen hier die Entstehung des Erdkilometers von Walter De Maria dokumentiert und mit Schreibmaschinentexten kommentiert. Dank dieser persönlichen Dokumentation können künftige Forschende ein detaillierteres und authentisches Bild der Rezeption und des weltbekannten Kunstwerks gewinnen. Daher auch an dieser Stelle: Herzlich Danke, Frau Waschkowitz.

Das Bild zeigt ein privates Fotoalbum. Es sind Seiten, die die Entstehung des Erdkilometers von Walter De Maria dokumentieren und kommentieren.; © documenta Archiv; Susanne Waschkowitz

Das Bild zeigt ein privates Fotoalbum. Es sind Seiten, die die Entstehung des Erdkilometers von Walter De Maria dokumentieren und kommentieren.; © documenta Archiv; Susanne Waschkowitz

Gerd Mörsch 

Veröffentlicht am:   25. 11. 2015