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Harry Kramer

Foto: Erich Fäse

Harry Kramer (1925-1997) ist in Kassel vor allem durch seine Initiative zur Künstlernekropole am Blauen See im Habichtswald bekannt. Der ‚Friseur aus Lingen‘, wie sich der Künstler mit einiger Selbstironie 1997 anlässlich einer Retrospektive und auch danach gerne selbst bezeichnete, verdingte sich als junger Mann u.a. als Schauspieler, Tänzer und Puppenspieler.

Bereits in den 1950er und dann in den 1960er Jahren avancierte Kramer zu einem international vielbeachteten Künstler: Mit seinem mechanischen Theater (1952) und seinen sogenannten automobilen Skulpturen, mit denen er mehrere experimentelle Filme drehte. Aufgrund seiner bewegten Objekte wurde Harry Kramer – ähnlich wie auch Jean Tinguely – zu einem Protagonisten der kinetischen Kunst. Diese bildeten 1964 auf der documenta III eine Attraktion in der Abteilung "Licht und Bewegung". 

Auch an der Hochschule für bildende Künste in Kassel (heute Kunsthochschule Kassel) erlangte Harry Kramer große Anerkennung. In den 1970er und 1980er Jahren erarbeitete er zusammen mit seinen Studierenden aufsehenerregende Gemeinschaftsarbeiten, -aktionen und Performances.

Sterben ist im Leben wenig neu, jedoch auch leben, freilich, ist nicht neuer… 

Das für die damalige Zeit avantgardistische Nekropolen-Projekt Harry Kramers sollte zugleich auch sein letztes sein. Anonym wurde seine Urne unter einem Baum bestattet. Seine Motivation formulierte er folgendermaßen:

"Die Künstler haben keinen Einfluss auf Kulturpolitik, Museumsankäufe und Programme internationaler Ausstellungen. Genau besehen, ist das auch gut so; sie würden sich sonst als Gladiatoren in der Arena selbst ausrotten. Der Wettstreit auf dem Friedhof der Eitelkeiten ist ein unblutiger. Melancholie, Einsamkeit und Repräsentanz dieses Berufs kann sich keinen geeigneteren Ort der Selbstrealisierung und Selbstinszenierung wünschen. Der Künstler kann nur beim eigenen Grabmal sich selbst Auftraggeber und Mäzen sein. Allein das ist Legitimation genug." 

Das von seiner Frau Helga Kramer in Anlehnung an sein Atelier eingerichtete Harry Kramer Archiv befindet sich im, dem documenta Archiv nahe nahegelegenen Aschrotthaus (Oberste Gasse 24, 34117 Kassel). Der umfangreiche Nachlass, der persönliche Gegenstände, Originalkunstwerke und Archivalien zu seinem künstlerischen Schaffen, aber auch seiner Lehrtätigkeit aufweist, ist nach Absprache einsehbar.

 

Veröffentlicht am:   25. 11. 2015